Operation "Pegasus"

 

Samstag, 26.02.2011, 10.00 Uhr, Flughafen Chania auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta. Die fliegenden Besatzungen des Lufttransportgeschwaders 63(LTG 63) erwarten voller Spannung den Einsatzbefehl für die Operation „Pegasus“ vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam. Auftrag: Rettung deutscher und ausländischer Staatsbürger aus Libyen .Bereits Tage zuvor wurden die Crews in Hohn über einen möglichen Evakuierungseinsatz in Libyen informiert. Am 22. Februar starteten erstmals zweiTransallC-160, davon eine des LTG63, vom NATO-Stützpunkt Decimomannu auf Sardinien und brachten 56 deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger von Tripolis nach Malta. „Ich hatte7-Tage-Bereitschaft,als ich am Mittwoch, den 23. Februar, auf dem Weg nach Hause auf meinem Handy alarmiert wurde“, berichtete Christian W.,CopilotderTransallC-160. Zuhause in Kiel angekommen, bereitete er seine Einsatzausrüstung vor. Am Freitag, den 25. Februar, als Christian W. mit seiner Freundin zum Essenausgehen wollte, klingelte abermals das Telefon. Es war soweit, der Einsatz stand bevor, das geplante Abendessenmusste auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Der Ladungsmeister Thomas B. aus Kropp hatte ebenfalls Bereitschaft. Schnelle Verabschiedung von der Familie, eine lange Umarmung für Ehefrau Maren und die beiden Kinder Theresa und Lennart.Um18.30 Uhr trafen die alarmierten fliegenden Besatzungen zum Briefing in der 1.Staffel des LTG 63 ein. Sie erhielten eine umfassende Einweisung in den Auftrag und Ablauf für die bevorstehende Operation .Zwischenzeitlich landete auf dem NATO Flugplatz in Hohn eine Challenger-Maschine der Flugbereitschaft BMVg, mit der die Soldaten über das bayerische Landsberg nach Chania/Kreta geflogen  wurden. In Landsberg wurde eine weitere fliegende Besatzung aufgenommen. „Ich selbst war angespannt, da die Sicherheitslage unübersichtlich war und es sich um einen nicht alltäglichen Auftrag handelte. Verschiedene Bedrohungsszenarien waren denkbar“, schilderte Christian W. Am Samstag um 12.00 Uhr starteten zweiTransallC-160 mit Hohner und Landsberger Crews mit Sicherungskräften in Richtung Nafurah im Südosten Libyens. Um14.30Uhr landeten beide Maschinen auf dem Flugplatz der Wüstenstadt Nafurah. Dann ging alles sehr schnell. Das Ladetor und die Laderampe der beiden Flugzeuge öffneten sich und die Sicherungskräfte sprangen aus der Maschine, um die Operation abzusichern. Vor einem Gebäude in Rollbahnnähe warteten bereits ungeduldig und voller Hoffnung die zu evakuierenden Personen. Innerhalb der nächsten Minuten wurden die Passagiere auf die beiden Maschinenverteilt. Die Laderampe wurde geschlossen, die Triebwerkangelassen undum15.15 Uhr starteten die TransallC-160RichtungChania. Während des Fluges wurde sehr wenig gesprochen. Im Sonnenuntergang auf Kreta setzten die Fahrwerke der beiden TransallC-160 auf der Landebahn in Chania auf. In den Gesichternder132 Personen – darunter 22 deutsche Staatsbürger konnte man pure Erleichterung erkennen. Beim Verlassen der Flugzeuge bedankten sich die evakuierten Personenbei ihren Helfern mit einem „Thank you very much for coming”. Christian W.: „Die professionelle Zusammenarbeit der beteiligten Crews hat maßgeblich dazu bei getragen ,dass die Evakuierung erfolgreich abgeschlossen werden konnte“ .An der Operation „Pegasus“ nahmen 4Transportflugzeugevom  TypTransallC-160mit insgesamt 5 fliegenden Besatzungen aus Hohn teil. Am Donnerstag, den3. März, wurde die Operation für beendet erklärt. Nach ihrer Rückkehr wurden die Crews am Samstag, den 5. März, durch den  Geschwaderkommodore Oberst Stefan Neumann und weiterem Führungspersonalbegrüßt. Neumann dankte den beteiligten Besatzungen für ihre hervorragende Arbeit und hob aufgrund der aktuellen Ereignisse ihre hohe Motivation besonders hervor.

Autor Udo Keuche

Kartenausschnitt Nord-Afrika (Quelle Google Earth)