Ralley Hohn/Landsberg-Dakar

Verladungsprobleme in Hamburg und Ankunft in Bayern

Die Medien in Deutschland mutmaßten es schon etwas länger, dass Deutschland sich auch am Einsatz in Mali beteiligen würde. Über Art und Umfang wurde viel berichtet, aber es gab noch nichts Greifbares. So wurden schon am Wochenende12./13. Januar 2013 durch das Europäische Lufttransportkommando (EATC) die Lufttransportverbände der Luftwaffe abgefragt, welcher Umfang an Transall C-160 und Besatzungen gestellt werden könne.

Das LTG 63 hat nach intensiver Rücksprache mit der Technischen und der Fliegenden Gruppe zwei Luftfahrzeuge C-160 mit zwei Besatzungen gemeldet. So hatten nun die Fachgruppeneinteiler der 1.FlgStff die Aufgabe, Personal zu identifizieren und zu informieren. Der geplante Einsatzzeitraum für die ersten Besatzungen sollte zwischen zwei und vier Wochen betragen. Wer das LTG 63 kennt, weiß, dass innerhalb kürzester Zeit zwei Besatzungen namentlich benannt waren. Die nächsten zwei Tage (14. und 15. Januar) verliefen ziemlich ruhig, da es keine neuen Erkenntnisse zu einem möglichen Einsatz gab. Gleichzeitig begann für das eingeteilte Personal sowie für deren Familien ein unplanbares Spiel. Was war zu Hause noch zu erledigen und was nicht? Bewegung kam erst am Mittwoch,16. Januar in die ganze Sache.

Durch die Medien bereits mitgeteilt, besuchte der Präsident der Elfenbeinküste Berlin. Da er gleichzeitig Vorsitzender der so genannten ECOWAS-Staaten ist, bat er bei Bundeskanzlerin Merkel um Transportunterstützung. Die ECOWAS Staaten wollten eine bis dahin 3000 Mann starke Eingreiftruppe nach Mali schicken.

Der Laderaum wurde mit allem Notwendigem beladen

Bereits gegen Mittag bestätigten erste Pressemeldungen den Einsatz von zwei deutschen Transall C-160. Der Gesamtumfang sollte vier Transall C-160 und einen Airbus A-310 der Flugbereitschaft umfassen. Von unserem Verteidigungsminister war in den Medien zu hören, dass diese Maßnahme umgehend beginnen könne. Das LTG 61 wurde zum Leitverband erkoren und sollte zwei Besatzungen mit einem Luftfahrzeug stellen, während für das LTG 63 vorerst eine Besatzung mit einer Transall geplant war. Ab 15.30 Uhr lokaler Zeit trafen sich u.a. die Luftfahrzeugladungsmeister der 1./Stff zu Vorbereitungen. Da sich dann die Lage änderte, hatte das LTG 63 jetzt zwei Besatzungen mit jeweils zwei Luftfahrzeugladungsmeister(LLM) zu stellen. Nun mussten von jetzt auf gleich zwei weitere LLM eingeteilt werden, die am nächsten Morgen in den Einsatz fliegen sollten. Da nun alles sehr kurzfristig stattfinden sollte, wurde kurzerhand eine Liste mit den wichtigsten benötigten Lebensmitteln für die ersten Flugtage erstellt. Hier können wir immer auf den bewährten EDEKA-Markt Haas in Owschlag zurückgreifen. Hier wird alles sehr gut in Bananen-Kartons verpackt und sogar beim LuZg in Hohn angeliefert. Der geplante Start sollte am Donnerstag um 10.00 Uhr Z sein. Die eingeteilten Besatzungen sollten am Abflugtag abgerufen werden, da man aufgrund der geplanten langen Flugstrecke alles vorbereiten wollte. Allerdings kehrte zunächst Ruhe ein. Telefonische Nachfragen im Einsatz der 1./Stff besagten, dass der Einsatz an diesem Tage wohl nicht mehr losgehen werde. Der Leitverband war eingeschneit und die Start- und Landebahn in Penzing war vereist, „black“ nennt man das im Fliegerjargon. Ohne Leitverband geht man schließlich nicht in den Einsatz. Ab 13.00 Uhr wurden die Hohner Crews dann allerdings alarmiert, um gegen 16.00 Uhr in der Staffel zu erscheinen und gegen 19.00 Uhr los zu fliegen. So starteten dann um kurz nach 19.00Uhr lokaler Zeit zwei C-160 des LTG 63 unter Beobachtung eines großen Presseaufgebots den Unterstützungseinsatz nach Mali. Nun war das ewige Hin und Her vorbei und für die Besatzungen kehrte Ruhe ein. Ein Fliegerspruch sagt: “Wenn das Fahrwerk erst mal eingefahren ist, dann wird alles gut.“

Die Transall im Einsatz: Fahrzeuge, Truppen und anderes Gerät werden verladen

Der späte Flug führte uns nach Evreux, einem französischem Transallplatz, wo wir übernachteten. Am Freitag flogen wir zunächst nach Bordeaux, wo, wie bereits durch die Presse erfahren, Sanitätsmaterialgeladen werden sollte. Der Leitverband schaffte es am selbigen Tage ebenfalls, die Start- und Landebahn zu räumen und auch, von einem Presseauflauf begleitet, nacheinem gefilmten Startabbruch, endlich eine Transall in Richtung Frankreich zuschicken. Diese traf 50 Minuten nach den Hohner Maschinen in Bordeaux ein. Nun hatten wir endlich einen Kommandoführer vor Ort. Dieser sorgte aus französischer Sicht allerdings für einige Verwirrung, da wir gemäß Einsatzführungskommando Bw, nicht alles transportieren durften, was die Franzosen uns mitgeben wollten. Nach Klärung der deutschen Weisungslage startete die Penzinger C-160 mit dem Kommandoführer. Die Ladung für die Hohner Transall musste nun neu gepackt werden, was uns einen langen Tag bescherte. Mit zweieinhalbstündiger Verspätung konnten auch wir, nun mit der zweiten Hohner Besatzung an Bord, in Richtung Rabat / Marokko starten. Die zweite HohnerC-160 wurde von einer Landsberger Besatzung nach Deutschland zurückgeführt.

Beladen im Einsatz

In Rabat lief alles nach Plan, da wir bei der Ankunft direkt von der Deutschen Beratergruppe empfangen wurden. Das Klima am Abend war für Mensch und Maschine auch wesentlich angenehmer als in DEU und FRA. Nach einem ersten Briefing durch den Kommandoführer suchten alle Besatzungsmitglieder nur noch ihre Betten auf. Am nächsten Morgen erfolgte dann der Aufbau von „Scotty“, einer mobilen Fernmeldeanlage, um ein eingestuftes Lagebriefing für Mali zu empfangen. Nach diesem Briefing und einsetzendem heftigsten Regen mit starken Windböen, erfolgte ein verspäteter Abflug in Richtung Bamako / Mali. Der Flug in Richtung Bamako führte uns über „Rest“-Marokko, die Westsahara und Mauretanien nach Mali. Als zweite deutsche Transall in Bamako angekommen, wurden wir vom Deutschen Botschafter, einer Konsulats-Angestellten„1.Klasse“und einem Kamerateam vom ZDF in Empfang genommen. Die Entladung durch die frz. Kräfte ging sehr zügig und so hatten wir, während der Wartezeit auf den Tankwagen, Zeit uns einmal umzuschauen. Der internationale Lufttransport war auch hierwieder einmal mit seinen Großflugzeugen vertreten. Da die Kampfzone weit mehr als 400 Km von Bamako entfernt war, machte der Airport von Bamako einen sehr ruhigen Eindruck. Dieses wurde uns auch vom deutschen Botschafter bestätigt. Nach einem 90-minütigen Aufenthalt begann erst mal unser letztes Teilstück nach Dakar. Nach weiteren 3:35h Flugzeiterreichten wir Dakar im Senegal.

Endanflug auf den Flugplatz Dakar

Dieser Platz an dem auch französische Truppen stationiert sind, soll von der Luftwaffe als Lufttransportstützpunkt(LTStp) genutzt werden. So endete der dritte Tag der Verlegung um 0.45 lokaler Zeit im Hotel in Dakar. Wir waren erst mal angekommen. Am Sonntag, dem 20. Januar, stand auf dem Plan, die Einsatzbereitschaft herzustellen. Hierzu wurde auch eine Crew benötigt, die sämtliche Vorbereitungen für die ersten Flüge traf. Außerdem mußten die Flugzeuge in einen einsatztauglichen Rüstzustand versetzt werden. Für diese Tätigkeit benötigten wir einen ganzen Tag. Die Truppen der ECOWAS-Staaten (Economic Community Of West African States) kommen ausverschiedenen Ländern, weshalb auch unsere Flugzeuge für diese Aufträge aus dem Senegal in die verschiedenen Länder (z.B.: Togo, Cotonou) verlegen. Da die ersten Flüge aufgrund der Entfernungen in Afrika sehr lang waren, sollten die zwei eingesetzten Crews gedispatched (Flugvorbereitung durch Nicht-Crew-Personal) werden. Also um 03.00 Uhr morgens das Hotel verlassen, die Maschinen checken und beladen. Gegen Mittag waren wir dann zurück im Hotel und konnten endlich unsere 36 Stunden Crew Rest beginnen.

StFw Stefan Götze